Jeder sechste Start-up-Gründer ist älter als 50 Jahre

Deutschlands braucht mehr junge, dynamische Unternehmen. Wer sie gründet, und warum nur wenige Frauen darunter sind, hat die KfW analysiert.

Wer an Start-ups denkt, hat vermutlich junge Männer in Turnschuhen vor Augen, die irgendwo in einer Garage an neuartigen Computern basteln. Tatsächlich findet sich unter den Start-up-Gründern in Deutschland aber auch eine ganze Reihe älterer Semester. Jeder sechste Gründer ist über 50 Jahre alt, wie eine Untersuchung der staatlichen Förderbank KfW ergeben hat, die der F.A.Z. exklusiv vorliegt. „Der Start-up-Spirit ist also nicht nur jungen Gründern vorbehalten“, kommentierte Jörg Zeuner, der Chefvolkswirt der KfW, die Erkenntnisse des Start-up-Reports. „Vor dem Hintergrund einer alternden Bevölkerung ist das eine gute Nachricht.“ Denn schließlich seien die Start-ups die Hoffnung für die Volkswirtschaft von morgen, sagte Zeuner.

Als Start-up versteht dieKfW Unternehmen, die mit innovativen Produkten, besonders großen Wachstumserwartungen oder im besten Falle mit beidem neu an den Markt gehen. Sie wurden in der Untersuchung also getrennt von herkömmlichen Unternehmensgründungen betrachtet, bei denen sich zum Beispiel jemand mit einem Friseursalon selbständig macht. Die Zahl solcher Gründungen ist in den vergangenen Jahren kräftig gesunken, vor allem weil durch die gute Konjunktur viele ein Angestelltenverhältnis der Selbständigkeit vorziehen.

„Deutschland braucht diese jungen Unternehmen“

Die Zahl der Start-up-Gründungen ist dagegen gestiegen, wie der Bericht der KfW zeigt: Im Jahr 2017 haben demnach insgesamt 108.000 Gründer ungefähr 60.000 Start-ups ins Leben gerufen. Im Jahr davor waren es noch 93.000 Gründer mit 54.000 Unternehmen. Zeuner zeigt sich beeindruckt von dem Zuwachs: „Trotz einer seit Jahren sinkenden Gründungstätigkeit ist die Zahl der innovativen und wachstumsorientierten Start-ups im Jahr 2017 gestiegen“, sagt er. „Diese dynamischen jungen Unternehmen benötigt die deutsche Wirtschaft, um fit für die Zukunft zu bleiben. Sie sind es oft, die neue Technologien anwendungstauglich machen und so für deren Verbreitung sorgen.“

Dass sich unter den Gründern auch viele Ältere finden, sieht Studienautor Georg Metzger unter anderem in den vielen Neugründungen in der Versicherungs- und Finanzbranche (Stichwort: Fintechs) begründet. Dort sei eine gewisse Berufserfahrung oft von Vorteil oder werde sogar von der Finanzaufsicht vorgeschrieben.

Neben dieser überraschenden Erkenntnis bestätigt der genaue Blick auf die Personen, die sich die Gründung eines Start-ups zugetraut haben, aber auch eine Reihe von Klischees: So finden sich unter den Gründern von Start-ups, die sowohl innovativ als auch auf Wachstum getrimmt sind, kaum Frauen. Nur 12 Prozent von ihnen sind weiblich. Metzger führt das darauf zurück, dass nach wie vor weniger Frauen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik studieren. Diese sogenannten MINT-Fächer schüfen für viele Gründer die Voraussetzungen für ihre Geschäftsideen. Mehr als die Hälfte der Neugründungen drehen sich um das Internet und digitale Entwicklungen.

„Frauen sind als Start-up-Gründer noch stärker unterrepräsentiert als bei der gesamten Gründungstätigkeit ohnehin schon. Wenn es gelänge, mehr Frauen für MINT zu begeistern, würden wir mehr Frauen als Start-up-Gründer sehen“, ist Zeuner überzeugt. Vor allem bei den jüngeren Gründern hat die Untersuchung aber auch gezeigt, was noch wichtiger ist als der Bildungshintergrund: und zwar Rollenvorbilder. Dass es in der Familie oder im Freundeskreis andere Gründer gibt, spielt demnach für die Entscheidung, selbst ein Start-up aufzubauen, eine größere Rolle als der Bildungshintergrund.

In der Finanzierung unterscheiden sich die Start-ups deutlich von herkömmlichen Unternehmensgründungen. Zum einen brauchen deutlich mehr der Start-ups ein Anfangskapital von mehr als 100.000 Euro. Und das führt auf der anderen Seite dazu, dass sich deutlich weniger von ihnen über Kredite von Banken finanzieren. Business Angels und andere Privatinvestoren stehen bei ihnen höher im Kurs.

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